Die Idee ist prima: Es gibt zahlreiche Gartenbesitzer, die der Fülle ihrer Früchte gar nicht Herr werden und bereit sind, davon abzugeben. Andere gibt es, die liebend gern miternten würden.
Einige Verbraucherzentralen stellen sich mit ihrer “Obstbörse” als Vermittler zur Verfügung.
Derzeit ist die Nachfrage allerdings leider deutlich größer als das Angebot. Wenn Sie also einen großen Garten haben mit mehr Obst und Gemüse, als Sie und Ihre Familie und Freunde verwerten können, melden Sie sich bitte bei der Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes.
Kontakt Bayern: 0 18 05-82 92 32, montags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.30 und 15 bis 17 Uhr erreichbar.
Kontakt Berlin: 0 30-21 48 52 00, dienstags und freitags 9-16 Uhr.
Obstbörse
31. August 2010Bio erleben Nürnberg
7. August 2010Angesichts des Wassermangels in vielen Regionen der Welt dürfen wir uns als privilegiert ansehen. Soweit der Versuch, dem tristen Wetter etwas Positives abzugewinnen. Gestern war es besonders traurig. Auf dem Nürnberger Hauptmarkt hatten zahlreiche Aussteller ihre Stände aufgebaut, um ihre Bio-Produkte oder ihre Verbände vorzustellen. Bei strömendem Regen blieben aber viele verständlicherweise zu Hause.
Die Unerschrockenen, die, angetan mit Anoraks und schirmbewehrt, dem Regen trotzten, konnten sich an einer Modenschau erfreuen, bei der ansehnliche Mannequins farbenfrohe Mode aus bio-zertifizierten Materialien vorstellten.
Sie konnten die bizarr gehörnten Heidschnucken bestaunen, die sich in einer Koppel am Marktrand aneinanderkuschelten, »Freakadellen« oder Angus-Burger essen und sich an fränkischem Ökowein laben.
Und dann war noch die Schauküche von Herwig Danzer. Nürnbergs Zwei-Sterne-Koch Andree Köthe vom “Essigbrätlein” kredenzte den dem Regen trotzdenden Besuchern feines Schmand-Eis mit in Schokolade gehüllten Johannisbeeren. Sehr köstlich.
Glücklicherweise schien den Besuchern aber auch der nächste Programmpunkt zu schmecken. Da durfte ich Gazpacho, Fladenbrot und Aprikosen-Crumble zubereiten – und das Ganze musste in einer guten halben Stunde fertig sein. Hat geklappt!
Hier die Rezepte
Gazpacho andaluz
4 Portionen:
1 kleine grüne Paprikaschote
3 Tomaten
1 Salatgurke
1 Knoblauchzehe
75 ml Olivenöl
Saft von 1/2 Zitrone
150 ml Wasser
1 gestrichener TL Salz
3 EL Semmelbrösel
Gemüse waschen und trockenreiben. Von der Gurke 1 dicke Scheibe zur Seite legen.
Restliche Gurke, Paprika und Tomaten grob zerkleinern und zusammen mit Knoblauch, Öl, Zitronensaft, Wasser, Salz und Semmelbrösel im Mixer pürieren.
In Suppenschalen verteilen. Übrige Gurke in feinste Würfelchen schneiden und über die Suppe streuen.
Wer’s scharf mag, kann ein Stück frische Chilischote mitpürieren (ist aber nicht typisch spanisch)
Gesamtkosten: ca. 4 € / pro Person: ca. 1 €
Orientalisches Fladenbrot:
250 g Weizenmehl (Type 550) + Mehl zum Weiterverarbeiten
1/2 TL Salz
einige Krümel Trockenhefe
150 ml lauwarmes Wasser
wenn gewünscht: 2 EL Knoblauchbutter (2 EL Butter mit 1/2 TL feinstgehacktem Knoblauch und einer Messerspitze Salz verrühren)
Mehl, Salz und Trockenhefe mischen, das Wasser dazugießen, alles zu einem geschmeidigen Teig vermengen. Kurz stehen lassen.
Eine große beschichtete Pfanne erhitzen. Etwas Mehl auf die Hände nehmen, ein kleines Stück Teig (eine halbe Handvoll) nehmen, zu einem flachen Fladen formen, in die Pfanne legen, mit einem Holzspatel nochmal flachdrücken.
Wenn die Unterseite leicht gebräunt ist, wenden. Jetzt, wenn gewünscht, etwas Knoblauchbutter auf der bereits gebackenen Seite verteilen. Zu Ende backen. Der erste Fladen wird vielleicht noch nicht so schön, der zweite, wenn die Pfanne schon richtig “eingebacken” ist, wird unter Garantie besser.
Wenn die Pfanne groß genug ist, können mehrere Fladen gleichzeitig gebacken werden.
Gesamtkosten: ca. 0,50 € / pro Person: ca. 0,12 €
Aprikosen-Crumble:
4-8 Portionen
12 Aprikosen
100 g Butter + etwas Butter zum Fetten der Form
100 g Zucker
150 g Mehl
2 EL geröstete, gemahlene Haselnüsse
Eine flache ofenfeste Form butttern.
Den Backofen auf 200 Grad C vorheizen.
Die sauberen Aprikosen halbieren, entsteinen und mit der offenen Seite nach unten in die Form legen.
Butter, Zucker, Mehl und Haselnüsse mit den Fingern locker zu Streuseln vermengen, über die Aprikosen geben.
Backen, bis die Streusel appetitlich hell-goldbraun sind.
Gut dazu: Schlagsahne, die mit etwas Vanillezucker aromatisiert ist.
Gesamtkosten (ohne Schlagsahne): ca. 4,80 € / pro Person: ca. 0,60 €-1,20 €
Wenn Sie das auch mal auf die Schnelle machen möchten – hier der Ablaufplan, damit’s nahtlos klappt.
1. Teig fürs Fladenbrot anrühren.
2. Gemüse und Obst waschen.
3. Streusel für den Crumble machen. Backofen auf 200 Grad stellen.
4. Form buttern, Aprikosen hineinlegen, mit Streuseln bedecken und ab in den Ofen.
5. Semmelbrösel, Olivenöl, Knoblauch, grob zerkleinerte Paprika, Wasser, Zitronensaft und Salz im Mixer zu feinem Brei verarbeiten. Gurke und Tomaten grob zerkleinern – ein Stückchen Gurke zur Seite legen –, hinzufügen und kurz weitermixen.
6. Restliches Gurkenstück in feinste Würfel schneiden.
7. Suppe in Schalen füllen und mit Gurkenwürfelchen bestreuen.
8. Knoblauchbutter herstellen.
9. Fladenbrotteig nochmal kurz verkneten. Pfanne erhitzen. Teig zu Fladen forman und neben- und nacheinander in der Pfanne backen. Nach dem Wenden mit etwas Knoblauchbutter bestreichen.
10. Suppe mit Fladen servieren.
11. Wenn die Streusel auf dem Crumble sich hellgold farben, Backofen ausschalten.
12. Wenn Suppe und Fladen verspeist sind, Crumble auf den Tisch bringen.
»Bio erleben« in Nürnberg
2. August 2010Nürnberg bezeichnet sich selbst als »Bio-Metropole« und unternimmt einiges an Anstrengungen, um dieser Bezeichnung gerecht zu werden. Kommenden Freitag und Samstag finden auf dem Hauptmarkt jeweils von 10-22 Uhr die Veranstaltung »Bio erleben« statt.
Programm und weitere Informationen unter
www.bioerlebennuernberg.de
Mehrmals täglich steht »Koch-Schau und Genießen« auf dem Programm. Dabei haben bekannte Köche aus der Region ud Ernährungsexperten jeweils 45 Minuten Zeit, um für 12 Personen (wer immer sich gerade am Stand einfindet) aus Bio-Zutaten ein leckeres Mahl zuzubereiten.
Am Freitag, 6. August, um 15.15 Uhr, darf ich aufkochen unter dem Motto: »Bio muss nicht teuer sein.«
Wer also in der Gegend ist: einfach mal vorbeischauen, ich freue mich auf Sie!
Um schon mal Ihren Appetit anzuregen: Es gibt Gazpacho, Fladenbrot und Aprikosen-Crumble
Freies Obst für alle!
28. Juli 2010Heute habe ich im Internet etwas sehr Sympathisches entdeckt: Die Seite www.mundraub.org veröffentlicht Standorte von herrenlosen Obstbäumen, deren Früchte – ganz legal – geerntet werden können.
Wenn Sie selbst in Ihrer Umgebung solche Plätze kennen (und nicht engherzig alles für sich behalten wollen), sollten Sie sie ebenfalls bei mundraub.org melden.
Discountermarken / Gazpacho
17. Juli 2010Hin und wieder schaue ich bei Netto (vormals Plus) rein, weil er erstens näher ist als der Bioladen und zweitens ein relativ umfangrei-
ches Bio-Sortiment hat: Marke “Bio Bio”. Wie groß war mein Schreck/Ärger/Entsetzen, als ich vor wenigen Tagen irgendwo las, bei den Molkereiprodukten verberge sich hinter Bio Bio Weihenstephan und damit Müller-Milch. Müller-Milch und Weihenstephan, das vor einigen Jahren von Müller übernommen wurde, gehört nämlich, ebenso wie Nestlé, zu den Produkten, die unter keinen Umständen den Weg in meinen Einkaufskorb finden. Dachte ich zumindest. Unter Tarnnamen hat sich Subventions-Abstauber Müller mit seinen Produkten also doch Zutritt zu meinen Kühlschrank verschafft. Ab sofort nicht mehr!
Inzwischen habe ich eine interessante Quelle gefunden, die akribisch auflistet, was sich hinter einzelnen Namen verbirgt. Genaue Auskunft gibt die Prüfnummer. Hier der Link:
http://www.pruefziffernberechnung.de/Begleitdokumente/EWG-Betriebsnr-DE-Milch.shtml
Nun zu Erfreulicherem: Bei der Hitze gehört zu meinen absoluten Favoriten Gazpacho andaluz, die kalte spanische Suppe aus Gurke, Tomate, Paprika und Weißbrot. Zum Glück sind die Zutaten dafür jetzt auch in Bio-Qualität erschwinglich.
2 Scheiben altes Weißbrot oder 1 albackene Semmel oder 3-4 EL Semmelbrösel in 4 Tassen Wasser einweichen.
1 Salatgurke, 3 Tomaten, 1 Paprikaschote und 3 Knoblauchzehen grob zerkleinern und zusammen mit dem eingeweichten Brot 1/2 TL Salz, 3 EL Essig und 75 ml Olivenöl im Mixer pürieren. Pfeffern nach Geschmack. Fertig.
Wer die Suppe etwas aufhübschen will, nimmt einen kleinen Teil der Gurke und der Paprika und püriert sie nicht, sondern hackt sie in eine Würfelchen und streut sie über die Suppe.
Perfektionisten weichen das Brot in kalter Gemüsebrühe statt in Wasser ein.
Wer mag, streut geröstete Weißbrotwürfel über die fertige Suppe.
Gesamtkosten: 3,50-4,00 € für 4 Portionen.
Zubereitungszeit: 10 Minuten
Auch für Singles lohnt es sich, die ganze Menge zuzubereiten, denn es ist sehr angenehm, sich einfach ab und zu ein Portiönchen der fertigen Gazpacho aus dem Kühlschrank zu greifen.
¡Buen provecho!
WASSER!
11. Juli 2010Das sind jetzt mal Sommertage, die diesen Namen verdienen! Viel Wasser trinken ist oberstes Gebot. Sinnvollerweise Leitungswasser, denn erstens werden dafür nicht die Flaschen im Lastwagen über Land gekarrt, zweitens ist es konkurrrenzlos billig, und drittens ist es besonders sauber. Die gesetzlichen Anforderungen an die Qualität von Trink(=Leitungs)wasser sind nämlich erheblich strenger als für Mineralwasser.
Also: unter ökologischen, ökonomischen und gesundheitlichen Aspekten sind Sie mit Leitungsheimer am besten bedient.
Und unterwegs? Da reicht es unter Umständen sogar, eine leere Flasche oder einen Becher mitzuführen und an öffentlichen Trinkwasserbrunnen gratis nachzutanken.
In München finden Sie unter folgendem Link eine Liste aller Trinkwasserbrunnen in der Stadt:
http://www.swm.de/de/produkte/mwasser/wasser-zusatzleistungen/trinkwasserbrunnen.html
Auch die Stadt Nürnberg lässt Einwohner und Besucher im Sommer nicht verdursten. Hier der Link zum gesunden Nass:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1227090&kat=10&man=26
Ihr Wasserversorger wird Ihnen gern die Trinkwasserbrunnen in Ihrer Nähe nennen.
Schöne Sommertage wünscht Rosa
Ende der Regenzeit, Zeit zum Erdbeerpflücken!
23. Juni 2010Kein Sonnenstrahl hatte in den vergangenen 10 Tagen München geküsst, es war der pure Trübsinn. Ab heute leuchtet es draußen wieder hell, die nächsten Tage soll es schön bleiben, das lässt hoffen, dass doch noch Erdbeerpflücken auf dem Feld möglich sein wird.
Es gibt auch etliche Bio-Erdbeerfelder zum Selberpflücken – zumindest für jene, die in Fahrrad-Entfernung so eines Feldes wohnen, eine gute Möglichkeit, sich kostengünstig mit feinen Bio-Beeren einzudecken.
In Hessen hat etwa Erdbeer-Hirsch 3 Höfe mit Pflückgelegenheit:
www.bio-erdbeeren-hirsch.de
Hier können Sie eine Liste mit Bioland-Erdbeerhöfen abrufen: www.bioland.de/fileadmin/bioland/file/kunden/saisonale%20Themen/
Erdbeerenliste_2010_02.pdf
In Demeter-Qualität gibt es im Chiemgau die “Erdbeeren vom Franz”:
www.erbeeren-vom-franz.de
Im Internet finden sich zahlreiche weitere Adressen.
Sollten Sie kein Bio-Erdbeer-Feld zum Selberpflücken in der Nähe haben, dafür gleich um die Ecke ein konventionelles – greifen Sie beherzt zu und trösten sich mit dem Gedanken, dass diese Beeren trotzdem deutlich schmackhafter und ökologischer sind als von weither transportierte Öko-Erdbeeren. Und fragen Sie bei der Gelegenheit gleich mal, ob der Bauer nicht Lust hat, nächstes Jahr auf Bio umzustellen. Bei ausreichend Nachfrage tut er’s vielleicht…
Hollerzeit!
12. Juni 2010Überall duftet es jetzt nach Holunderblüten. Geben Sie sich nicht mit dem kurzen Moment zufrieden, wenn Sie im Vorbeigehen den feinen Duft erschnuppern, sondern nutzen Sie die Gelegenheit, äußerst kostengünstig an ein feines Getränk zu kommen.
Einfach drei bis vier voll erblühte Dolden kurz abspülen, von eventuell vorhandenen Tierchen befreien und einige Stunden oder über Nacht in einem Krug Wasser, dem Sie den Saft einer Zitronen hinzugefügt haben, ziehen lassen. 1 Zitrone reicht für ca. 1,5 Liter, ist der Krug größer, entsprechend mehr verwenden. Wer es süß mag, rührt noch 1-2 EL Zucker unter. Wenn Sie den Saft im Kühlschrank aufheben möchten – 2-3 Tage geht das – sollten Sie zuvor die Blüten entfernen bzw. den Saft abseihen.
Ich gönne mir im Moment täglich meinen Krug Holler-Limonade. Schmeckt, ist gesund, und außerdem macht es Spaß, draußen zu ernten.
Wer Geschmack am Holler-Aroma gefunden hat und länger was davon haben möchte, kann aus den Blüten Sirup machen. Dafür 400 g Zucker und 200 ml Wasser in einen kleinen Topf füllen. Gut verrühren und sachte erhitzen, bis sich der Zucker komplett aufgelöst hat, einmal kurz aufkochen. Sirup etwas abkühlen lassen und in eine Schüssel umgießen. Den Saft und die mit dem Sparschäler abgeschälte Schale von 3 Biozitronen sowie 10 saubere Blütendolden in den Sirup geben. Zudecken und 1-2 Tage kühl und dunkel aufbewahren. Den Sirup durch ein Sieb gießen und in in verschießbare Flasche oder Glas (z.B. Joghurt-Pfandglas oder besser noch: ein Honigglas, da wirken eventuelle Duftreste nicht störend, sondern bereichernd) abfüllen. Im Kühlschrank aufbewahren.
Anmerkung: In vielen Rezepten heißt es, dass man “Citronensäure” verwenden soll. Das ist ein Produkt, das aus einem schwarzen Schimmelpilz (aspergillus niger) gewonnen wird. Finde ich schon von der Vorstellung her nicht sehr lecker. Zitronensaft ist immer noch das einfachste, natürlichste und leckerste Säuerungsmittel. Die angegebene Menge ist bewusst kleingehalten, damit das Sirupmachen nicht gleich in einen Großkampftag ausartet. Multiplizieren können Sie die Menge nach Lust und Laune selber!
Übrigens haben Sie mit dem Sirup ein prima Geschenk für wenig Geld.
Die Kosten: 400 g Biozucker kosten gut einen Euro, die Zitronen sagen wir mal 75-90 Cent. Ich habe ein Viertelliter-Fläschchen vollgefüllt – sieht sehr hübsch aus und ist mit oder ohne Schleifchen ein schönes Geschenk – und habe für mich ebenfalls gut einen Viertelliter behalten. Das Ganze für knapp zwei Euro!
Viel Spaß beim Hollerpflücken wünscht Rosa
Ist Bio wirklich besser?
27. Mai 2010Das fragte die Stiftung Warentest und gab gleich selbst die Antwort: Nein, eigentlich nicht.
Woher sie das weiß? Sie hat sich einfach mal die eigenen Berichte der letzten Jahre vorgeknöpft und daraus dieses Resümee gezogen.
Na ja, ein paar Kleinigkeiten seien schon besser. So sei Bioobst und -gemüse im Gegensatz zu konventionellem in der Regel pestizidfrei. Außerdem werde die Umwelt geschont. Außerdem sei die soziale Verantwortung bei den Herstellern von Bioware ausgeprägter.
Aber sonst ist alles gleich. Da kann man nur sagen: Es lebe der kleine Unterschied!
Was die Tester bemängelten: Die Lebensmittel wurden probiert und Bio schmeckte (ihnen!) in der Regel nicht besser. Was die Tester dabei völlig außer Acht ließen, ist, mit wieviel Zusatzstoffen konventionelle Ware oft aufgemotzt ist, damit sie schmeckt. Kleines Beispiel:
Vor ein paar Tagen war ich in der Metro, um Büromaterial zu besorgen. Klar dass ich auch kurz durch die Lebensmittel-Abteilung gestromert bin. Habe mir eine geräucherte Makrele gegönnt, lecker. Probehalber habe ich auch einen Liter Sojamilch mitgenommen, auf die Schnelle, ohne aufs Kleingedruckte zu sehen. Zuhause habe ich gestaunt: Geschmeckt hat sie ungewohnt süß, aber insgesamt ganz angenehm. Allerdings da war auch eine ansehnliche Zutatenliste, neben Sojabohnen und Wasser wurden für diesen Drink Zucker, Aroma, Stabilisatoren und als “Säureregulator” Monokaliumphosphat verarbeitet.
Bei der Sojamilch aus dem Bioladen steht auf der Zutatenliste: “Trinkwasser, Sojabohnen”. Kein Unterschied?
Wenn die Semmeln vom “normalen” Bäcker innen superfluffig und außen krachend knusprig sind, dann weiß ich, dass dafür allerlei Hilfsstoffe eingesetzt wurden: Gips beispielweise macht Brötchen knusprig – ist erlaubt und wird auch verwendet. Cystein, hergestellt aus Schweineborsten, bewirkt, dass sich der Teig leichter verarbeiten lässt – ist erlaubt und wird auch verwendet. Angeben muss der Bäcker die Inhaltsstoffe nicht. Emulgatoren, Phosphat, Glyceride, Konservierungsstoffe, Farbstoffe – erlaubt ist, was dem Bäcker gefällt und ihm die Arbeit leichter macht.
Kein Unterschied also zwischen Bio und konventionell??
HALLOO, ihr Mitarbeiter von Stiftung Wartentest, AUFWACHEN!!
Herzlich, Rosa
Leserbrief: Kritik und Quarkbällchen
17. Mai 2010Sehr geehrte Frau Wolff,
soeben habe ich die Lektuere Ihres Buches beendet, nachdem ich es Anfang der Woche durch ein Gewinnspiel unseres Wochenanzeigers erwerben konnte. Es war wirklich sehr interessant und informativ.
Nichtsdestotrotz möchte ich noch einige Anmerkungen loswerden…
1. Ich kann nicht nachvollziehen, warum man einen Apfel schaelen und entkernen sollte. Durch beides gehen wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Es genuegt voellig, Stiel und Bluetenreste zu entfernen und das Kerngehaeuse auf Schimmel-/Schaedlingsbefall zu untersuchen; dies gilt auch fuer Kuchen und Gebaeck, wie ich aus eigener Erfahrung berichten darf; eine weitere Behandlung ist nur (kostspielige) Kosmetik.
2. Guenstiges Fleisch laesst sich auf Vorrat kaufen und einfrieren. Auch ueber mehrere Monate leidet die Qualitaet dadurch i. d. R. nicht.
3. Unangenehm ueberrascht war ich auch vom hohen Ressourcenverbrauch. Am wenigsten ging hier noch der hohe Verschleiß von Frischhaltefolie ins Gewicht. Viele Speisen lassen sich in größeren Mengen zubereiten und halten ueber mehrere Tage. Ein Mikrowellenherd spart Energie beim Erwaermen der Portionen. Und ein Vorwaermen des Backofens ist auf dieser kulinarischen Stufe in jedem Fall unnoetig…
4. Falls das Radl mal wieder ausfaellt: ich rate zur Anschaffung einer ÖPNV-Zeitkarte (in Ihrem Fall schaetzungsweise Ringe 1-2); kommt guenstiger als das Taxi!
5. Wenn Sie trotz der nicht unerheblichen Kritik noch weiterlesen moechten, habe ich noch ein einfaches und saettigendes Rezept anzubieten: angeblich handelt es sich um altroemische Quarkbaellchen (da mir die Quellenlage nicht weiter bekannt ist, wuerde ich das Adjektiv erst mal weglassen). Dazu werden 2 Teile Grieß mit 3 Teilen Quark gruendlich vermischt, 1h abgedeckt stehengelassen, nochmal ordentlich durchgeknetet und zu Baellchen oder Talern (spart Ausbackfett) geformt; die Baellchen werden dann in heißem Fett ausgebacken, vermutlich tut es der Backofen aber genauso, und mit Honig wahlweise Karamellmasse uebergossen; die Zubereitung des Karamells bietet noch die Option, eine groeßere Menge zuzubereiten und einen Teil fuer spanisch angehauchten Vanillpudding (kostenguenstig aus Milch, Staerke und evtl. Agar herzustellen) zu verwenden.
Mit freundlichen Grueßen
Stefan Bauer
Lieber Herr Bauer,
vielen Dank für Ihre Anregungen und für das Rezept. Ein paar Anmerkungen zurück:
1. Zum Apfelschälen/Kernhaus-Entfernen: Also, das ist mir offen gestanden zu rustikal. Kratzige Kernhausteile mag ich nicht im Mund haben; über die Schale lasse ich zur Not mit mir reden. Ich esse zwar rohe Äpfel gern mit Schale, empfinde jedoch die gekochte oder gebackene Schale als unattraktiv, zumal wenn es sich dabei um die harte Schale eines Boskops handelt – der sich wiederum wegen seines Aromas zum Backen besonders gut eignet. Apfelkerne sind übrigens giftig. Nicht gefährlich giftig, aber immerhin.
2. Ist sicher ein guter Hinweis für die, die eine TK-Truhe haben. Ich begnüge mich mit einem Kühlschrank, der nur ein winziges TK-Fach hat.
3. Sie haben völlig recht, dass man auf Vorrat kochen kann – einerseits. Andererseits: Für das Buch wollte ich möglichst viel Verschiedenes aus-
probieren. Einen Mikrowellenherd habe ich nicht, diese Technik ist mir zutiefst suspekt.
4. Ich fahre tatsächlich das meiste mit dem Rad, Zeitkarte lohnt sich für mich nicht, im Winter allenfalls Streifenkarten.
So, jetzt aber zu Ihrem Rezept! Vielen Dank dafür, ich habe es heute ausprobiert.
Habe also 125 g Grieß mit 250 g Quark gründlich vermengt, eine Prise Salz dazugetan (schien mir wichtig) und das Ganze 45 Minuten quellen lassen. In die Hälfte dieser jetzt relativ festen Masse habe ich versuchsweise die abgeriebene Schale einer Zitrone hineingemischt. Habe insgesamt 18 Talerchen geformt und alle gleichzeitig in einer großen beschichteten Pfanne in 1 EL Öl von beiden Seiten butzelbraun gebraten (und rechtzeitig ausgeschaltet, um die Restwärme zu nutzen).
Das erste habe ich pur probiert und fand, dass es sowohl für süße wie auch für salzige Beigaben eine gute Grundlage bietet. Das nächste (eins mit Zitronenschale) habe ich mit ein bisschen Zimtzucker bestreut, sehr fein.
Weil ich zu faul war, eigens Tomatensauce zu kochen, habe ich jeweils eins mit, eins ohne Zitronenschale mit einem Klacks Ketchup probiert. Das war richtig prima!
Ganz besonders gut kann ich mir die Dinger mit Zwetschgenröster vorstellen. Spätestens wenn wieder Zwetschgenzeit ist und ich hoffentlich wieder bei Freunden im Schrebergarten ein bisschen miternten darf, werde ich Ihre römischen Quarktaler zu eingekochten Schwabinger Zwetschgen genießen!
Kosten Grundrezept: 250 g Quark 0,60 €, 125 g Grieß 0,45 €, Salz, Öl, evtl. Zitronenschale 0,10 € = 1,15 €.
Mit Tomatensauce ausreichend als Hauptgericht für 2, mit Kompott als Dessert für 3-4 Personen.
Und jetzt hole ich mir noch ein paar, solage sie warm sind, und werde sie mit Ketchup essen.
